David Safiers Fortsetzung Mieses Karma hoch 2 ist keine bloße Wiederholung des Erfolgsrezepts, sondern eine neue Variante derselben Grundidee: Wiedergeburt, schlechtes Karma und sehr menschliche Selbsttäuschung. Ich ordne im Folgenden ein, worum es in der Geschichte geht, wie sie sich in die Reihe einfügt, ob man den ersten Band kennen sollte und für wen sich die Lektüre wirklich lohnt.
Die Fortsetzung verbindet Wiedergeburt, Beziehungskomödie und Reihenlogik zu leichter, aber nicht belangloser Unterhaltung
- Der zweite Band erzählt eine eigenständige Geschichte mit neuen Hauptfiguren.
- Der Kern bleibt die Reinkarnationsidee, diesmal mit noch stärkerem Fokus auf Beziehungschaos.
- Mit 336 Seiten ist der Roman kompakt und schnell lesbar.
- Vorwissen aus dem ersten Band hilft, ist aber nicht zwingend nötig.
- Für Fans von humorvoller deutscher Gegenwartsliteratur ist das Buch besonders naheliegend.
Worum es im zweiten Band geht
Im Zentrum stehen diesmal Daisy und Marc, zwei Figuren, die sich erst einmal nicht als Sympathieträger aufdrängen. Daisy lebt eher chaotisch, Marc ist als Hollywoodstar selbstverliebt und verwöhnt. Beide sterben bei einem Unfall und landen nach dem Tod nicht im ersehnten Paradies, sondern als Ameisen in einem neuen Leben, das sie sich nicht ausgesucht haben.
Genau darin liegt der Reiz des Romans: Die zweite Chance wird nicht pathetisch erzählt, sondern komisch, absurd und mit einem klaren moralischen Unterton. Gutes Karma muss erst einmal verdient werden, und das ist bei zwei Figuren, die sich kaum ausstehen können, alles andere als einfach. Dazu kommt ein weiterer Konflikt, der die Handlung antreibt: Sie wollen verhindern, dass ausgerechnet Daisys bester Freund und Marcs Ehefrau ein Paar werden.
- Daisy und Marc müssen sich in einer völlig unkomfortablen Form von Existenz neu orientieren.
- Die Liebes- und Loyalitätsfragen sind mindestens so wichtig wie die Reinkarnation selbst.
- Der Humor entsteht oft daraus, dass die Figuren moralisch falsch starten und sich erst langsam verändern.
Das ist keine hochphilosophische Fabel, sondern eine leichtfüßige Komödie mit klarer Handlung und starker Prämisse. Genau dort wird sichtbar, warum der Vergleich mit dem ersten Band so viel über die Wirkung der Fortsetzung verrät.
Wie sich die Fortsetzung von der ersten Geschichte unterscheidet
Der erste Band war stärker auf die Figur Kim Lange und ihre persönliche Läuterung zugeschnitten, während die Fortsetzung das Prinzip auf ein neues Figurenpaar überträgt. Für mich ist das ein kluger Schachzug: Die Grundidee bleibt erkennbar, aber der Roman wiederholt sich nicht einfach. Statt einer 1:1-Kopie bekommt man eine Variation, die das bekannte Konzept in ein anderes Beziehungsgeflecht verschiebt.
| Aspekt | Erster Band | Zweiter Band |
|---|---|---|
| Hauptfigur | Kim Lange | Daisy und Marc |
| Grundkonflikt | moralische Läuterung nach dem Tod | zweite Chance im neuen Leben und im Umgang miteinander |
| Ton | satirisch, direkt, pointiert | verspielter, stärker auf Beziehungschaos und Dialoge gebaut |
| Leserwirkung | der überraschende Reiz der Ausgangsidee | der Reiz der Variation und des Wiedererkennens |
| Serienfunktion | der Einstieg in das Konzept | die konsequente Weiterführung der Idee |
Ich würde die Fortsetzung deshalb nicht als bloßes „mehr vom Gleichen“ lesen. Sie lebt davon, dass Safier das gleiche erzählerische Werkzeug erneut einsetzt, aber mit anderen Figuren, anderen Schwächen und einer anderen Dynamik. Daraus ergibt sich ziemlich direkt die Frage, ob man die Reihe auch ohne Vorkenntnisse lesen kann.

Warum der zweite Band auch ohne Vorwissen funktioniert
Die gute Nachricht zuerst: Man kann die Fortsetzung verstehen, ohne den ersten Band gelesen zu haben. Die Handlung ist in sich geschlossen, die Figuren werden sauber eingeführt, und die zentrale Idee von Wiedergeburt und Karma erklärt sich aus dem Geschehen selbst. Wer also nur nach einem unterhaltsamen Roman sucht, wird nicht ausgebremst.
Trotzdem lohnt Vorwissen. Wer Band 1 kennt, erkennt die Spiegelung der Themen schneller und merkt, wie der Autor bestimmte Motive bewusst variiert: Selbsttäuschung, moralische Verfehlung, zweite Chance, die eigentliche Frage nach Veränderung. Das erzeugt einen zusätzlichen Lesereiz, der vor allem dann funktioniert, wenn man die Reihe nicht nur konsumiert, sondern als kleine literarische Idee in zwei Anläufen betrachtet.
Praktisch würde ich es so formulieren: Allein lesbar, mit Band 1 aber deutlich reichhaltiger. Das ist genau die Art von Reihenstruktur, die ich mag, weil sie weder abschottet noch Vorwissen zwingend voraussetzt. Aus dieser Mischung ergibt sich ziemlich klar, für welche Leserschaft das Buch gedacht ist.
Für wen sich das Buch am meisten lohnt
Am meisten profitieren Leserinnen und Leser, die Humor mit einer klaren Story und einem kleinen moralischen Haken mögen. Ich würde das Buch vor allem denen empfehlen, die deutsche Unterhaltungsliteratur nicht nur als Nebenbei-Lektüre sehen, sondern gern merken, wenn ein Roman eine Idee mit Wiedererkennungswert sauber durchzieht.
- Für Fans von leichtem, aber pointiertem Humor funktioniert der Roman sehr gut.
- Für Leser, die Reinkarnation, Jenseits und zweite Chancen mögen, bietet er eine zugängliche Form.
- Für alle, die Serien lieben, aber keine endlosen Reihen brauchen, ist er angenehm kompakt.
- Für Leser, die Tiefe nur dann akzeptieren, wenn sie nebenbei unterhält, ist er eine brauchbare Wahl.
Weniger passend ist das Buch, wenn man auf subtile psychologische Studie, literarische Kühle oder möglichst realistische Figuren aus ist. Safier arbeitet bewusst mit Überzeichnung, und das ist kein Fehler, sondern Teil des Konzepts. Gerade daran entscheidet sich, ob man mit der Reihe warm wird oder nicht.
Was Safiers Humor hier stark macht und wo er bewusst überdreht
Der größte Vorteil des Romans ist sein Tempo. Szenen setzen schnell ein, Pointen bleiben nicht zu lange stehen, und die Figuren geraten ständig in Situationen, in denen sie reagieren müssen, statt nur zu erzählen. Das hält die Geschichte lebendig. Hinzu kommt, dass Safier Komik nicht nur über Slapstick erzeugt, sondern auch über soziale Reibung: Eitelkeit, Statusdenken, Beziehungsdynamik und moralische Selbstrechtfertigung werden immer wieder gegeneinander ausgespielt.
Mich überzeugt vor allem, dass der Roman nicht nur auf einen Gag setzt. Er baut die Wiedergeburtsidee als Erzählmotor, aber der eigentliche Witz entsteht aus dem Kontrast zwischen dem niedrigen Niveau der Figuren und der großen Frage nach einem besseren Leben. Das ist schlau genug, um nicht belanglos zu wirken, und leicht genug, um nicht belehrend zu werden.
Es gibt aber auch Grenzen. Wer sehr feine Ironie sucht, kann den Ton mitunter als breit oder etwas laut empfinden. Manche Figuren sind bewusst karikiert, manche Entwicklungen folgen einer komödiantischen Logik, die nicht bei jedem Leser sofort zündet. Die Stärke des Buches liegt eher im sicheren Timing als in psychologischer Feinzeichnung. Genau das sollte man wissen, bevor man mit falschen Erwartungen an die Reihe geht.
Wer das im Blick hat, liest die Fortsetzung entspannter und mit genau den Erwartungen, die sie bedienen kann.
Was man sich für die ganze Reihe merken sollte
Stand 2026 besteht die Reihe aus zwei klar benennbaren Teilen: dem ersten Roman und seiner Fortsetzung. Das ist für Leser praktisch, weil man keine lange Reihenverpflichtung eingeht und trotzdem einen geschlossenen erzählerischen Bogen bekommt. Der aktuelle Taschenbuchband umfasst 336 Seiten und bleibt damit angenehm kompakt.
- Wer die Reihe chronologisch lesen will, beginnt mit dem ersten Band und nimmt danach die Fortsetzung mit.
- Wer nur einen unterhaltsamen Roman sucht, kann direkt mit dem zweiten Band einsteigen.
- Wer den Reiz der Idee verstehen will, sollte beide Bücher lesen und die Unterschiede bewusst vergleichen.
- Wer danach weitermachen möchte, findet bei David Safier andere humorvolle Romane, aber keine dritte Reinkarnationsfolge, die diese Linie einfach fortsetzt.
Ich sehe die Reihe deshalb als kleines, stimmiges Doppel: zwei Bücher, eine Idee, zwei unterschiedliche komödiantische Ausführungen. Genau das macht den Reiz für Leser aus, die in Buchreihen nicht nur Wiederholung, sondern Variation suchen.
